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    Celtic Guitar  
  Artikel zu Instrument  
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  Quelle: Crossroots, ISBN 3-935943-00-8 (Verlag C.Ludwig, 2002)  
    Autor: Richard Schuberth  
 

Mit dem Begriff Celtic Guitar wird hier kein eigenes Genre beschrieben, wie es das ursprünglich englische Folk-Baroque mit Einschränkungen darstellt, sondern es sollen die unterschiedlichen Wege umrissen werden, welche die Gitarre bei der Adaption schottischer und irischer (auch bretonischer) Musik beschritten haben. Der lange Weg von der Funktion dieses Instrumentes zur Rhythmusbegleitung, zum dynamischen Melodiespiel bis zum sogenannten Celtic Fingerstyle beginnt beim englischen Folk-Baroque, genauer bei Davy Graham. Bis zu den 60er Jahren hatte die Gitarre als Begleitinstrument zu den traditionellen Jigs und Reels, ja selbst zur Liedbegleitung ein eher bescheidenes Dasein gefristet. Amerikanisch-irische Sligofiddler wie James Morrison und Hugh Gillespie haben sich ihre Fiddletunes bereits in den 30er und 40er Jahren von mitunter swingenden Gitarristen begleiten lassen und ‘Peerie’ Willie Johnson von den Shetland-Isles unterlegte Fiddle-Reels unter Einfluss des Jazzgitarristen Eddie Lang erstmals mit Jazzriffs (mehr dazu unter Celtic Swing). Erst die Clancy Bros. und Dubliners brachten unter Einfluss des amerikanischen Folk-Revivals die Gitarre ins Spiel, Letztere auch zunehmend zur Begleitung schneller Instrumentals. Jedoch eignete sich das bis dahin übliche Standard-Tuning EADGBE kaum für jene Melodien, die hauptsächlich in den Tonarten D, G und A auftraten. Eine probate Lösung bot damals der Gitarreninnovator Davy Graham mit seiner offenen Stimmung DADGAD an. Das so genannte von Graham initiierte Folk-Baroque, repräsentiert vor allem durch Bert Jansch und John Renbourn, realisierte eine kunstvolle Mischung aus Blues, Ragtime, Renaissance und Folk, ehe es erst in den 70er Jahren über ihr Interesse für den Harfenisten Turlough O’Carolan (1670-1738) zu traditioneller irischer Musik fand, diese aber dann bestenfalls paraphrasierte, während die Gitarristen der irischen und später schottischen Folk-Szene traditionelle Musik aus ihrem Kern heraus weiterentwickelten. (Einen großartigen Einblick in die Aneignung irischer Musik durch Folk-Baroque-Gitarristen und deren abenteuerlichen Open- Tunings geben die von Stefan Grossman herausgegebenen CDs Ramble To Cashel - Celtic Fingerstyle Guitar, Vol. 1 und The Blarney Pilgrim - Celtic Fingerstyle Guitar, Vol. 2)

Es ging den „keltischen“ Innovatoren zunächst darum, mittels verschiedener offener Stimmungen eine so abwechslungsreiche und dynamische Begleitung als möglich für von Uilleann Pipes, Querflöten, Fiddles und Akkordeons gespielte Tunes bereitzustellen. Darum fanden sie Martin Carthys rhythmisch akzentuierte richtungsweisende Liedbegleitung für ihre Zwecke angemessener. Diese Begleit- und Rhythmusfunktion teilte sich die Gitarre mit den Lauteninstrumenten Bouzouki, Mandola, Cittern etc. und der Rahmentrommel Bodhrán, was in den 70er Jahren zu einer modernen Adaption traditioneller Musik führte, die man als Rhythm & Reel bezeichnen könnte. Deren sensibelsten Gitarristen Dáithí Sproule und sein Cousin Micheál Ó Domhnaill (Skara Brae, Bothy Band, Altan) zeigten sich noch am stärksten von Graham, Jansch und Renbourn beeinflusst. Ansonsten setzte sich ein hochsynkopiertes, funkiges und außerordentlich kraftvolles Gitarrenspiel durch. Bahnbrechend dabei war der schottische Gitarrist und Sänger Dick Gaughan mit seiner 1976 aufgenommenen Platte Coppers & Brass. Gaughan verwendete dabei das Tuning EAAEAE, wobei er durch die A-Saite einen dudelsackartigen Drone-Effekt erzeugte. Er war sowohl Flatpicker als auch Fingerpicker, Letzteres besonders bei Harfentunes von O’Carolan, für die er die Gitarre auf EADEAE stimmte und harfenähnliche Arpeggios spielte, somit viele Entwicklungen vorwegnahm, die später in Irland vor allem von Paul Brady und dem vielseitigen Arty McGlynn vorangetrieben wurden. Beide waren sowohl Begleiter als auch Melodiespieler. Die dynamische Begleittradition wurde vom eher zu Jazzbegleitung tendierenden Chris Newman, Ged Foley (House Band, Patrick Street) mit dem seltenen Tuning CGCGCD, von Meistergitarristen wie dem Amerikaner John McGann, Frank Kilkelly, Mark Kelly (Altan), Tim Murray (Danú, Cían), John McLaughlin (Óige), Johnny Doyle (Solas), Donal Clancy (Eilen-Ivers-Band, Solás) und Paul McSherry (Tamalin) fortgeführt und vom Australier Steve Cooney mit seinem überaus präzisen, aber maschinengewehrschnellen Riffs ins Extrem getrieben. Einen wichtigen Einfluss übte seit den 70er Jahren auch der schottische Gitarrist Tony Cuffe (Ossian, Jock Tamson’s Bairns) mit seinem speziellen Tuning CGCGCE aus, welches auch von Dougie MacLean benutzt wird. Ein weiterer seit den 70er Jahren in der schottischen Szene hoch geschätzter Gitarrist ist Sandy Stanage (Kentigern), und Dave MacIsaac aus Cape Breton gilt in der gesamten amerikanisch-keltischen (also nicht nur der schottisch-kanadischen) als formvollendeter Allroundgitarrist und begehrter Studiomusiker. Dem Ausprobieren immer ausgefallenerer offener Stimmungen waren keine Grenzen mehr gesetzt. Weitere herausragende Gitarristen fanden Celtic Folk und Rhythm & Reel in Pat Kilbride (Kips Bay Ceili Band) und Robin Bullock (John-Whelan-Band), und nicht zu unterschätzen sind die akustischen Ausflüge des englischen Folk-Rockers und Allroundkünstlers Richard Thompson in die Welt der Jigs, Hornpipes und Reels. In der Bretagne besetzen einfühlsame Virtuosen wie Dan Ar Braz, Soïg Sibéril (Barzaz, Kornog, Gwerz, Pennoù Skoulm), Gilles Le Bigot (Barzaz, Skolvan), Nicolas Quemener (Arcady), Jacques Pellen und neuerdings Erwan Bérenguer (Spontus) die stilistische Grauzone zwischen Folk-Baroque, Celtic Guitar und Jazzgitarre. Eine neue große Modewelle brachte die amerikanischen und englischen Interpreten des sog. Folk Baroque zu irischer und schottischer Musik: Es waren dies John Renbourn, Davy Graham, Dave Evans, Stefan Grossman, Duck Baker und vor allem aber Martin Simpson und der über allen musikalischen Grenzen stehende Pierre Bensusan, welche unter Beachtung der instrumentalen Entwicklungen innerhalb der keltischen Szene ein Genre entwickelten, das sich bereits den Namen Celtic Fingerpicking Guitar gegeben hat und sich weniger durch Drive als durch technische Kunstfertigkeit und Melodiösität auszeichnet (zu hören auf den Alben The Music Of O’Carolan und

The Music Of Ireland). In Irland schlug der klassisch ausgebildete John Feely eine ähnliche Richtung ein. Besonders begabte amerikanische Gitarristen wie Pat Kirtley aus Kentucky, Steve Baughman und Tom Long aus Kalifornien, Al McMeen aus New Jersey, John Sherman aus Ohio und David Surette aus Maine zementieren Celtic Fingerpicking als eigenes Genre. Junge Gitarristen, der alle bisher genannten „Schulen“ bravourös in sich vereinigen (plus Ausflügen in Jazzgitarre und Celtic Swing) sind Tony McManus aus Paisley, Ian Carr aus Newcastle, Seán Whelan aus Dublin und Jon Hicks (Lia Luachra). Überhaupt diffundieren die Genregrenzen. Viele der bereits genannten Musiker besitzen einen äußerst breiten musikalischen Horizont und kombinieren problemlos Folk Baroque, Newgrass, Jazz, Celtic Swing, Funk, Balkanmusik, Bossa Nova, Latin Swing und diverse ethnische Stilen zu stets neuen Stilmixes.