|
|
„His smooth movements from one note to another, his seeming effortlessness in bowing, and his mastery of tempo mashed in a way where the seams never showed. (...) ‘Silk should be the nickname of fiddler Kevin Burke.“
Earle Hitchner (The Irish Echo)
„I like accuracy in playing and I like good tone. I like sugar in my tea, but it’s not important`...“
Kevin Burke
Kevin Burkes Fiddlespiel galt und gilt als einer der individuellsten und lyrischsten der irischen Folk-Szene. Trotz der Beherrschung traditioneller Stile ließ er es nicht dabei bewenden und prägte als Mitglied der legendären Bothy Band den Sound des Folk-Revivals mit. Aufgewachsen ist Burke in London, seine Eltern stammen aus Sligo, jener Region, deren Geigenstil durch virtuose Innovatoren wie Michael Coleman und James Morrison in die Musikgeschichte eingegangen ist (siehe Der Sligo-Stil). Dieser Einfluss schlug sich in Burkes Spiel ebenso nieder wie die klassische Ausbildung, die er als Kind genoss. Burkes musikalische Sozialisation als Fiddler nahm seinen Anfang in der isolierten und traditionalistischen Irish Community von London, wo er mit lokalen Größen wie Bobby Casey und Roger Sherlock spielte. Sein größtes Vorbild fand er dort in Mairtín Byrnes, dem langbärtigen Hippie, dessen eigenwilliger lyrischer Stil den seinen nachhaltig beeinflusste. Kevin Burke erweiterte bald seinen musikalischen Horizont, indem er die Enge der Irish Community überwand und der englischen Folk-Szene seinen Stempel aufdrückte. Paddy Bush, Bruder und Produzent von Kate Bush, führte ihn dort ein und stellte ihn Leuten wie Dave & Toni Arthur sowie John Faulkner vor. Noch bevor das irische Folk-Revival in den 70ern so richtig in Fahrt kam, schloss er Kontakte zur amerikanischen Folk- und Rock-Szene: 1973 traf er beim Willy Clancy Festival in Miltown Malbay, Co.Clare, Arlo Guthrie, der ihn in die USA einlud. Dort machte er die Bekanntschaft von Leuten wie Ry Cooder, Jim Keltner, Clarence White (Byrds) und den frühen Eagles. Auf A. Guthries Last Of The Brooklyn Cowboys spielte er einige atemberaubende Fiddlesolos. Sowohl in der englischen als auch der irischen Szene galt Burke bald als Geheimtipp, ohne sich viel aus den prestiguösen Fleadh Cheoils und All Ireland Competitions gemacht zu haben. Er kehrte nach London zurück, nahm Gelegenheitsjobs an und entschied sich schließlich professioneller Musiker zu werden. „I was playing with a group called Lazy Reel, a folk group from London. I decided I should probably take it seriously. I still didn’t know how to, but mentally I made my decision. Then after about a year Christy Moore called me.“ Christy Moore, der Planxty soeben verlassen hatte und sich als politischer Liedermacher zu profilieren begann, lud ihn ein, in seiner Band mitzuwirken, jenem losen Haufen, der in den 70ern Anlaufstelle der meisten irischen Musiker von Rang und Namen war. Mit von der Partie - natürlich - Donal Lunny, der ihn Christy Moore für sein eigenes Projekt abwarb, nachdem Fiddler Tommy Peoples dort ausgestiegen war: die Bothy Band. Der Rest ist Geschichte! Auf Anraten Lunnys macht Kevin Burke 1978 seine zweite Solo-LP If The Cap Fits (Burkes Solodebüt, Sweeney’s Dream, wurde übrigens 2001 von Smithonian Folkways als CD neu aufgelegt). 1981 nahm er mit Jackie Daly Eavesdropper und mit Michael Ó Domhnall das viel gerühmte Album Promenade auf, eine Wendemarke in der stilistischen Weiterentwicklung der irischen Musik. Ó Domhnalls einfühlsame Liedinterpretationen und subtile Soft-Jazz-Gitarrenbegleitung sowie Burkes lyrischer Swing erheben die Traditional Tunes zu moderner Kunstmusik. Das Duo zieht nach Portland, Oregon, um mit der nächsten LP Portland an den eigenwilligen Stil von Promenade anzuknüpfen. Burke lebt noch immer in Portland und hält nach wie vor seinen Platz als einer der innovativsten Geiger der Folk-, New-Acoustic-Music- und Roots-Szene. Mit seinem eigenen amerikanischen Projekt Open House erweitert er das übliche Spektrum an irischer, schottischer und bretonischer Musik um weitere musikalische Einflüsse. Parallel dazu ist er seit Mitte der 80er Jahre fester Bestandteil von Andy Irvines Formation Patrick Street, für die er immer wieder nach Irland zurückkehrt, um mit old friends wie Jackie Daly, Andy Irvine und Arty McGlynn modern und geschmackvoll arrangierte Versionen von Traditionalsund modernen Tunes einzuspielen. 1993 geht er unter dem Motto Celtic Fiddle Festival mit Johnny Cunningham und dem bretonischen Ex-Kornog-Geiger Christian Lemaître auf Tournee, welche auf einem gleichnamigen Live-Album Niederschlag findet, auf der sie die musikalischen Besonderheiten Irlands, Schottlands und der Bretagne präsentieren. Celtic Fiddle Festival ist nicht bloß eine folkloristische Länderreise, sondern vielmehr das Porträt dreier musikalischer Individualisten, die wesentlich zur Grenzerweiterung ihrer jeweiligen „ethnischen“ Genres beigetragen haben. Einmal jährlich gehen die drei Herren auf Tournee. Bei seinem gefeierten Album In Concert lud sich Burke einen jüngeren „brother in mind“, Martin Hayes, zu einigen atemberaubenden Duetten. |
|