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„He is one of the few musicians worth getting out of the bed in the morning for.“
Bob Dylan
Paul Brady, von dem Bob Dylan auch sagte, er sei der beste Liedermacher der Gegenwart, ist schon allein wegen seiner Vielseitigkeit eine der interessantesten Figuren der irischen Folk-Szene (und weit darüber hinaus) und relativiert anhand seiner musikalischen Sozialisation und Karriere wie kein anderer die Grenzlinien, die der Einfachheit halber zwischen Musikrichtungen gezogen werden. Seine Hinwendung vom Folk zum Mainstream Rock löste bei vielen Folkies ähnliche Enttäuschung aus wie einst Bob Dylans spektakulärer Stilwechsel im Jahr 1965. Paul Brady, der „Martin Carthy der grünen Insel“, wie man ihn in seinen Folk-Tagen nannte, wurde am 6. Mai in Strabane, Co.Tyrone, Nordirland geboren. 1964 kam er nach Dublin, um zu studieren. Er gigte als E-Gitarrist und Organist in einer Rockband namens The Kult, bis er Mick Moloney und Akkordeonist James Keane kennen lernte, die sein Interesse für traditionelle Musik weckten. Mit Moloney stieg er schließlich bei den von den Geschwistern Adrienne und Luci Johnston gegründeten Johnstons ein. Diese äußerst erfolgreiche Formation bestach als kommerzielle „Folk-Pop“-Band durch ihren dichten, harmonischen Sound und die Mischung traditioneller irischer (auch schottischer und englischer) Lieder und zeitgenössischem Material von Leonard Cohen, Joni Mitchell oder B. Dylan. Wer Bradys Sprung zum Rock als Diskontinuität beklagt, vergisst, dass er ja ursprünglich von Rock und Blues kam und die Wendung zum Mainstream-Rock bereits bei den letzten Johnstons-LPs, insbesondere auf der allerletzten, If I Sang My Song (1974), vollzogen war. Egal ob er in der Musikgeschichte als Sänger traditioneller Songs, als Singer/Songwriter oder als Rocksänger auftaucht, wo immer die Grenzen zwischen diesen Kategorien auch liegen mögen, immer ist die Qualität und Kontinuität seines expressiven, sehr soulgeladenen Singstils gegeben, der von Blues, Funk, Soul und Rock’n’Roll ebenso beeinflusst ist wie von traditionellem Sean-Nós. Diese Einflüsse schlagen sich auch in seinem einzigartigen Gitarrenbegleitstil nieder, der neben dem Donal Lunnys oder Arty McGlynns Maßstäbe setzte bei der Transformation der alten Insrumentalstücke in zeitgenössische Acoustic Music. Nach Bradys Angaben ist dieser stark von der Synkopierung der neueren Bodhrán-Stile beeinflusst. Zu hören auf Tommy Peoples High Part Of The Road, den Platten, die er mit den New Yorker Sligo-Stil-Fiddlern Andy McGann, Paddy Reynolds und John Vesey aufgenommen hatte, und schließlich auf dem Album Peoples/Molloy/Brady, jenem Klassiker unter den Session-Alben. Die darauf gespielten Reels, Hornpipes und Jigs verlassen das traditionelle Idiom kaum, werden jedoch mit selten zuvor gehabten Drive und Können interpretiert. Brady spielt außerdem Klavier und Tin Whistle ( z. B. bei dem etwas kitschigen Ohrwurm The Road aus dem Soundtrack zum Film Cal, den er gemeinsam mit Mark Knopfler komponierte). 1974, nach Auflösung der Johnstons, ersetzt er Christy Moore bei Planxty, ehe sich die Formation selbst auflöst. In Andy Irvine trifft er auf einen kongenialen Partner. 1976 spielen beide ein gemeinsames Album ein, worauf Brady mit seiner unnachahmlichen Interpretation der Ballade Arthur McBride die Grenzen zwischen traditioneller und moderner Musik zur Gänze aufhebt. Bob Dylan hat 1993 auf Good As I Been To You vergeblich versucht, das anarchische Anti-Kriegslied im Brady-Stil zu covern. 1978 erscheint Bradys viel beachtetes Solo-Album Welcome Here Kind Stranger ( mit Gastmusikern D. Lunny, A. Irvine, T. Peoples und Noel Hill). 1980 verabschiedet sich Paul Brady mit seiner musikalischen Bearbeitung von Gedichten des irischen Dichters Sean O’Casey vorerst von der Celtic-Folk-Szene. Die daraus resultierende Platte wartete mit dem Schauspieler John Kavanagh als Sprecher und Sänger sowie Musikern von Paddy Glackin bis Séamus Ennis (1919-1981) auf. Ein Jahr später vollzieht sich mit Hard Station schließlich der Wandel vom Folk- zum Rockmusiker, wenngleich sich diese Trennung problematisch erweist, bedenkt man, dass viele seiner unverstärkten Songinterpretationen der 70er Jahre von einem Soul- und Rock-Feeling getragen werden, wie es den meisten Vertretern des neumodischen Acoustic Rock zur Ehre gereichen würde. Die Singleauskoppelung von Crazy Dreams landet prompt auf Platz 1 der irischen Charts und wird später von Roger Chapman und Dave Edmunds gecovert. Dasselbe passiert mit den Songs Night Hunting Time durch Carlos Santana und Steel Claw durch Tina Turner. Brady tourt in den folgenden Jahren mit den Dire Straits und Eric Clapton. Fürs Album Back To The Centre assistieren ihm und a. Eric Clapton, Larry Mullen (U2) und Loudon Wainwright III. Er beginnt sich am amerikanischen Popmarkt zu etablieren und avanciert zu einem der gefragtesten Songwriter, etwas zum Nachteil seiner eigenen Interpretationen. Blues-Lady Bonnie Raitt, ein Brady-Fan seit den ersten Johnstons-Konzerten in den USA, vermehrt 1991 seine Popularität durch ihr Platinum-Album, auf dem sich zwei Brady-Songs - darunter der Titeltrack Luck Of The Draw - befinden. Seit Ende der 80er Jahre nähert sich Paul Brady wieder der Folk-Szene an und geht damit einem Trend voraus, der besonders in den USA in Form des Acoustic Rock und eines neuen Folk-Revivals innerhalb der angelsächsischen Pop-Szene die alten Meister - und damit auch Brady - wiederentdeckt. Seine Flexibilität macht ihn besonders für die jüngere irische Szene, die die Trennung zwischen traditioneller Musik, Folk, Rock und Jazz nicht mehr allzu ernst nimmt, dafür umso ernster das Erbe von Planxty und Bothy Band fortführt, zu einer Integrationsfigur. Der Song Nothing But The Same Old Story, ein Lied über die Diskriminierung junger irischer Arbeiter im London der 60er Jahre, den er mit Donal Lunny für die BBC-Serie Bringing It All Back Home trotzig und dynamisch zum Besten gab, hat bei der jüngeren Generation mittlerweile hymnischen Status erlangt. Auf Spirits Colliding (1995), großartig besetzt mit Arty McGlynn, Sharon Shannon und den Flecktones (Bèla Fleck, Roy & Victor Wooton) kommt sein kraftvolles akustisches Gitarrenspiel wieder stärker zum Tragen. Sechs seiner Rockalben aus den 80er und 90er Jahren wurden kürzlich von Rykodisc neu aufgelegt. Für seinen ultimativen Sampler Nobody Knows hat er Klassiker aus seiner Folk-Periode wie The Lakes Of Ponchartrain und Arthur McBride neu eingespielt. Paul Bradys Songs wurden neben den Genannten zudem von Mary Black, Art Garfunkel, Dolores Keane, Mary Black, Phil Collins und Cher gecovert. |
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