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„For me, Aly is Miles Davis. He’s Ravi Shankar. He’s Béla Fleck. He’s in that number, and he’s completely unaware of it. Nobody shone like Aly (...) And Aly’s still shining. Ask the people out there in the streets how many fiddlers they know. His name’s first on the lips every time. That’s an amazing achievement. Like all the great players have done, he’s made the people like not just the music he plays but the instruments itself. We’ve come and gone, and we’ve fallen out a few times, but he’s still my dear, dear friend, and I love him.“
Billy Connolly
Aly Bain, geb. 1946 in Lerwick, Shetland, ist eine der Integrationsfiguren des Celtic Folk-Revivals. Als legitimer Nachfolger seines Lehrers und Freundes Tom Anderson (1910-1991) ist er nicht nur einer der Promotoren der traditionellen Fiddlestile seiner Heimat, der Shetland-Isles, sondern hat sich wie keiner zuvor diverse andere Geigenstile zu eigen gemacht. Die Spezialitäten des schottischen Hochlandstils, der berühmten Geigenkomponisten des späten 18. und 19. Jahrhunderts (Gow, Marshall, Scott Skinner), irische Stile natürlich, weiters Cajun, Appalachian Mountain Music & Bluegrass, French-Canadian (siehe Québec & French Canada) und Swing. Diese stilistische Vielseitigkeit machte ihn auch zum geeigneten Mann für das Revival-Projekt Boys Of The Lough, das er 1969 mitbegründete und welches erstmalig Brücken von schottischer zu irischer Musik schlug. Seit dem 11. Lebensjahr spielt er die Fiddle, jenes wichtigste Volksinstrument der Shetlands und war unter persönlicher Ägide Tom Andersons bald das jüngste Mitglied des Fiddleorchesters ‘Da Forty Fiddlers’. 1968 verschlug es ihn nach Edinburgh, ins Herz der damals blühenden Folk-Szene Schottlands. Im Duo trat er mit dem Gitarristen und Singer/Songwriter Mike Whellans auf. Beide stießen sie auf ein weiteres Duo, Cathal McConnell und Robin Morton aus Nordirland, was zur Entstehung der Boys of the Lough führte, deren Sound er nach wie vor mit seinem eleganten Geigenstil bereichert. Dazwischen vielfältige Kontakte in die unterschiedlichsten musikalischen Richtungen. Seit Anfang der 70er Jahre ist er gefragter Studiomusiker, auch für Rockmusiker (Bert Jansch, Richard & Linda Thompson, später Eddie Reader und Fishund andere). Bain war wohl der erste Geiger der Folk-Szene, der keltische und Shetlandtunes verswingte. Inspiriert wurde er dabei nicht bloß von seinem eigenen Interesse für Jazz, sondern durch die Swingbegleitung der lokalen Shetland-Legende Willie Johnson, dessen Stil sich im jung verstorbenen Gitarristen Tich Richardson fortpflanzte, mit dem Bain bei den BOTL die aufregendsten Tunes einspielte. 1984 nahm er seine erste Soloplatte auf, mit tatkräftiger Unterstützung alter Freunde von den Shetlands, T. Anderson, Ronnie Cooper, Willie Johnson und Violet Tulloch. Es folgt die Cajun-Platte Aly Meets the Cajuns, die er in Zusammenarbeit mit Queen Ida & the Zydeco Band in Louisiana aufnimmt. In den 80er Jahren vermehrte Tätigkeit für das Fernsehen. Für BBC Scotland produziert 1986 er die viel beachtete Serie Down Home, worin er die Geschichte der schottischen und irischen Geigenstile und ihren Einfluss auf die amerikanischen nachzeichnet. Neben seiner Tätigkeit als Musikjournalist und gefragter Interpret, vielfältige Lehrtätigkeit in Shetland, Schottland und Amerika sowie die eigene Produktionsfirma Whirlie Records. 1989 widmet BBC ihm ein Live-Porträt, dessen Musik auch auf Platte herauskommt: Gigs mit Capercaillie, Allan Taylor, Gregson & Collister, Queen Ida, Willie Hunter & V. Tulloch, Mairtin O’Connor, BOTL und Phil Cunningham. Mit letzterem bildet er seit 1988 ein reguläres Duo, was die gemeinsamen CDs The Pearl, The Ruby und Another Gem zur Folge hatte: relaxter, bisweilen konservativer, mit Eigenkompositionen und bemerkenswert vielen Walzern angereicherten Instrumentalfolk, der in jedem Stück die Grandezza ihres sympathetischen Zusammenspieles durchscheinen lässt und einige ethnomusikalische Ausflüge nach Frankreich, Estland und in die USA inkludiert. Seine vielfältigen musikalischen Interessen führten Aly Bain zur skandinavischen Musik, deren Einfluss auf den Shetlands immer virulent war. Mit dem norwegischen Komponisten Henning Sommero spielte er das eigenwillige Album Songs Of The North Sea ein. Auf seinen sonstigen Soloalben verzichtet er auf dynamisches wildes Fiddeln zugunsten melodischer Feinheiten und lässt sich von Jazzprofis wie Chris Newman (siehe Máire Ní Chathasaigh & Chris Newman) und Danny Thompson begleiten. Alastair Clark hat mit der sehr lesenswerten Biographie Aly Bain - Fiddler on the Loose nicht nur dem Multitalent ein Denkmal gesetzt, sondern zugleich auch der vielfältigen schottischen Folk-Szene der letzten 30 Jahre, einer deren versiertester Grenzgänger Aly Bain war und ist. 1999 verlieh ihm die Royal Scottish Academy of Music and Drama die Ehrendoktorwürde. Aly Bains lapidarer Kommentar: “Erstaunlich! Das letzte Examen, an das ich mich erinnern kann, war die Führerscheinprüfung.“
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