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    Altan  
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  Quelle: Crossroots, ISBN 3-935943-00-8 (Verlag C.Ludwig, 2002)  
    Autor: Richard Schuberth  
 

„That is the strength of the tradition they’ve immersed themselves in so thoroughly and for sheer technique and honest feel, then there are few to match them from any era.“

Colin Irwin (Folk Roots)

Altan gehören seit Mitte der 80er Jahre mit ihrer furiosen Interpretation der Musik des nordirischen Countys Donegal zu den erfolgreichsten Acts der irische Folk-Szene. Der stark schottisch beeinflusste Geigenstil dieser Region überlebt sich dank Altan in zeitgenössischem Gewand und löste eine Mode aus, die den über Jahrzehnte dominanten Sligo-Stil in seiner Prädominanz ablöste. Oft wurden Altan als legitime „Thronfolger“ der Bothy Band eingestuft. Nie zuvor wurden Donegal-Tunes mit mehr Drive interpretiert, und Maireád Ní Mhaonaigh verleiht mit ihrer glockenhellen Sopranstimme, die durchaus zu getragener Melancholie und jazzigen Untertönen fähig ist, alten, zumeist gälischen Liedern einen modernen, fast chansonhaften Charakter. Ebenso modern wussten sich Altan als perfekt designtes Gesamtkonzept zu verkaufen, wenn sie sich z.B. bei Plattenpräsentationen in Dubliner Nachtclubs von treu ergebenen Fans wie Mick Jagger und Keith Richards feiern ließen. Trotz ihres mittlerweile erlangten Kultstatus, der weit über die Grenzen der Folkmusik hinausweist, interpretieren sie ihr Material traditioneller, als Clannad es je getan haben. Kern der Gruppe war das Ehepaar Maireáf Ní Mhaonaigh und Frankie Kennedy. Mairéad stammt aus Gweedore, im Herzen des Donegaler Gaeltachts, und ist die Tochter des bekannten Geigers Francie O Maonaigh (im Duett sind Vater und Tochter auf der CD Fiddlesticks zu hören). Sie lernte Frankie Kennedy, der Flöte spielte und aus Belfast stammte, am St.Patrick’s College in Drumcondra kennen, wo sie beide ihre Lehrerausbildung absolvierten. Als Studiomusiker nehmen sie bereits 1979 mit dem Gaelic-Singer Albert Fry eine Platte auf. Mairéad wird Mitglied der Frauenband Macalla und ist als Geigerin und Sängerin Gast auf einer Platte der Wild Geese. Auf Frankies und Maireads erster Platte Ceol Aduaigh (1983) zeichnet sich bereits der spätere Altan-Stil ab. Mit von der Partie sind Fintan McManus (bouzouki), Ciarán Curran (cittern), Sängerin Eithne Ní Bhraonain (später Enya) und Maireads Bruder Gearoid an der Gitarre. Als Altan formiert sich die Gruppe 1985 mit C. Curran und einem der gefragtesten Gitarristen der Dubliner Szene, Mark Kelly, um für das amerikanische Label Green Linnet ihre erste Platte aufzunehmen. Als zweite Vokalistin ist Maireads jüngere Schwester Anna zu hören. Produziert wird Altan, deren instrumentale Höhepunkte eine sehr lyrische Interpretation der Cathal-McConnell-Komposition The Sunset und Frankie Kennedys einfühlsames Flötensolo, die elegische Tommy-Peoples-Komposition An Feochán (The Gentle Breeze) darstellen, von niemand Geringerem als Talentesucher Donal Lunny. Das Label Green Linnet eröffnet ihnen den amerikanischen Markt. Es folgen ausgedehnte Tourneen zu beiden Seiten des Atlantiks, die ihren Ruf als künftige Superband festigen. Billy Altham schreibt in der Zeitschrift The Connoisseur: „Altan make their reels and jigs soar with relaxed optimistic joy, while their ballads and airs are infused with tense fatalistic sadness. That they do so, is testament to the diversity of talent in their band.“ Die Produktion für ihr nächstes Album übernimmt Donal Lunnys schottisches Produzentenpendant Phil Cunningham (Silly Wizard), der bei einigen Tunes auch den Klang seiner Tin-Whistle beisteuert. Paul O’Shaughnessy steigt als zweiter Fiddler bei der Band ein. Die nächsten drei Alben, jede ein Juwel für sich und jede eine Steigerung an Professionalität und Verve pflastern Altans Weg zur Nummer Eins der New Traditional MusicIrlands. P. O’Shaughnessy und M. Kelly verlassen aus beruflichen Gründen die Band. Dafür kommt Ciaran Tourish aus Buncrana, Donegal, ein exzellenter Fiddler, und der alte Haudegen Dáithí Sproule (Skara Brae, Trian), ein Freund der Mhaonaigh (Mooney)-Familie. The Red Crow erscheint 1990 (mit Bodhránist Johnny ‘Ringo’ McDonagh als Gastmusiker) und gewinnt den NAIRD-Award, einen begehrten amerikanischen Independent-Label-Preis. Ebenso ihr nächstes Werk The Harvest Storm, mit Ciaran Curran und P. O’Shaughnessy. Liam O Maonlaigh von den Hothouse Flowers begleitet Mairéad bei dem berühmten Lied Cailleach an Aergid (The Hag With The Money) am Didgeridoo. Auf Island Angel gesellt sich der junge Akkordeonspieler Dermot Byrne hinzu und bringt eine neue Klangfarbe in den fiddlelastigen Sound Altans. Weitere Gastmusiker sind Tommy Hayes, Steve Cooney und selbstverständlich D. Lunny. Dieser Markstein in der Geschichte ihrer Karriere ist überschattet vom Krebsleiden Frankie Kennedys, dem er am 19. September 1994 erliegt. An seinem Sterbebett mussten seine Gattin und andere Mitglieder der Band versprechen, nach seinem Tod das Projekt Altan fortzuführen. Mit ihm verlor die irische Musikszene einen ihrer begnadetsten Flötenspieler. Mairéad Ní Mhaonaigh führt das Projekt erfolgreich weiter und bringt 1996 bei Virgin ihr Blackwaterside heraus, auf dem Dermot Byrnes Akkordeon stärker in den Vordergrund tritt. Mit den Schwestern Tríona und Maighréad Ní Dhomhnaill (Cousinen Dáithí Sproules) haben Altan ¾ Skara Brae und plus Donal Lunny 1/3 Bothy Band als musikalische Rückenstärkung. Mit Another Skye, das auch Robert Burns’ Green Grow The Rushes und Bob Dylans Girl From The North Country enthält sowie musikalische Gastbeiträge von Bonnie Raitt, Jerry Douglas und natürlich Lunny und Cooney, dehnen Altan ihren Erfolg ins 21. Jahrhundert aus. 1999 heiratete Mairéad Ní Mhaonaigh Dermot Byrne.