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„They adapted, arranged, collated and in many instances re-wrote the songs but they always managed to retain the traditional essence which gave their music its distinctive appeal, and inject a sense of irreverent fun that would not have been tolerated in the stuffy folk clubs.“
Tim Hart
Neben Fairport Convention, mit denen sie sich Gründungsmitglied Ashley „Tyger“Hutchings teilte, sind Steeleye Span die wohl berühmteste britische Folk-Rock-Band aller Zeiten. Gegründet wurden sie 1969 von Ex-Rock’n’ Roller Hutchings (e-b), der sich nach seinem Ausstieg von Fairport Convention eine stärkere Zuwendung zu traditioneller englischer Musik auf die Fahne geheftet hatte. Dazu lud er das englische Sängerduo Maddy Prior (voc, bj, spoons, perc) & Tim Hart (voc, e-g, dulcimer, e-dulcimer, f, bj, harmonium) aus St. Albans sowie das irische Duo Terry (voc, g, mandola, bj, e-g, mandolin) & Gay Woods (voc, conc, autoharp, bodhrán) ein. Mit Letzteren hatte er bereits in der nur drei Wochen bestehenden Rehearsal Group gespielt, bei der auch Andy Irvine u. Johnny Moynihan beteiligt waren, zwei Bandkollegen von Terry Woods bei Sweeney’s Men. Der Bandname Steeleye Span wurde von Martin Carthy vorgeschlagen u. bezeichnet eine Figur des Liedes Horkston Grange. Allen Beteiligten war eine Abneigung gegen den konservativen Purismus der Folk-Club-Szene gemein. Das Resultat dieses vielversprechenden Line-ups war das Plattendebüt Hark! The Village Wait, das neben sechs englischen, auch zwei schottische, drei irische Songs u. einen von Ewan MacColl enthielt. Spannungen zwischen den Paaren Prior/Hart u. Woods führten zum Ausstieg der letzteren. Stattdessen stießen Sängerlegende Martin Carthy (voc, g, e-g, bj, organ) u. der Londoner Geiger Peter Knight (f, voc, mandolin, organ, b-g) hinzu, der auch in der irischen Community von London Session-Erfahrung gesammelt hatte. Sowohl diese als auch die erste Besetzung spielten nicht Folk-Rock im strikten Sinn, sondern „Electric Folk“: Der düstere, archaische Charakter der traditionellen Songs wurde durch den schneidenden Klang von E-Gitarre, E-Dulcimer u. E-Bass auf eigentümliche Weise verstärkt. Peter Knight steuerte zwischendurch Fiddle-Tunes aus Irland bei. Ein Grund vielleicht, warum Hutchings nach den Platten Please To See The King u. Ten Man Mop 1972 das Handtuch schmiss, um seine pur englische Albion Country Band zu gründen. Auch M. Carthy beschloss seine Solo-Karriere fortzusetzen. Von da an änderten Steeleye Span ihr Electric-Folk-Konzept in ein zeitgeistiges Folk-Rock-Konzept, mit welchem sie ihren Hauptruhm erlangen sollten. Entsprachen Fairport Convention in ihrer stilisischen Heterogenotät u. ihren improvisativen E-Gitarren- u. Fiddle-Sequenzen noch dem chaotischen Geist der Sixties, so überließen Steeleye Span bei ihrer neuen Präsentation nichts dem Zufall. Unter Zuhilfenahme der gesamten damals verfügbaren Studiotechnologie lieferten sie dem Art-Rock der 70er Jahre entsprechende glatt durcharrangierte, um keinen Effekt verlegene Songs, die von einer mittelalterlich-kirchlichen wirkenden Mehrstimmigkeit geprägt waren. Ihr neuer Bassist Rick Kemp hatte mit Michael Chapman gespielt u. Gitarrist Robert Johnson war Mitglied der Gary-Glitter-Band gewesen. Mit Below The Salt (1972), die ihre siebenminütige mittelalterliche Menschenfresserballade King Henry u. den Single-Hit Gaudete enthielt, u. Parcel Of Rogues (1973), auf der sie mit dem Instrumental Robbery With Violins das erste Beispiel für „Celtic Funk“ vorlegten, gelang der endgültige Durchbruch. Ihre Live-Darbietungen waren von reizvoller Theatralik. Ergänzt durch Hard-Rock-Drummer Nigel Pegrum nahmen sie 1974 Now We Are Six auf, das Jethro-Tull-Frontman Ian Anderson produzierte u. auf dem der junge David Bowie Saxophon spielen durfte. Für den Sea-Shanty New York Girls vom Album Commoner’s Crown (1975) konnten sie den Filmschauspieler, Folkfan u. Ukulelespieler Peter Sellers gewinnen. Mit dem Titeltrack der Platte All Around My Hat (1975)landeten sie einen Top-5-Hit in den britischen Charts. Nach Rocket Cottage (1976) pausierten Knight u. Johnson, dafür kehrte Martin Carthy zurück, der auch gleich Englands führenden Akkordeonspieler John Kirkpatrick, selbst um kein Experiment verlegen, mitnahm. Durch das Akkordeon veränderte sich der Steeleye-Sound u. es entstanden die Meisterwerke Storm Force Ten (1977), das zwei interessante Brecht/Weill-Adaptionen (Black Freighter u. The Soldier’s Wife) aufzuweisen hatte, u. Live At Last (1978). Als Johnson u. Knight zurückkehrten, legte die Band mit Sails Of Silver (1980) ein Album mit modernen Pop-Songs vor. Maddy Prior trat nebenbei eine glänzende Solokarriere an. Steeleye Span feierten in den 90er Jahren in neuer Besetzung ein spektakuläres Comeback. Bassist Rick Kemp (der mittlerweile Maddy Priors Gatte war) u. Drummer Nigel Pegrum waren durch Tim Harries u. Liam Genockey ersetzt worden, u. auch Gründungsmitglied Gay Woods feierte an der Seite Maddy Priors ihre musikalische Wiederauferstehung. Etwa 1998 übertrug schließlich Maddy Prior die Lead-Singer-Agenden endgültig an Gay Woods u. zog sich in ihre vielen eigenen Projekte zurück. Durch sie sowie Uilleann-Piper Genockey kommt eine unerwartet irische Note ins bis dato eher englische Repertoire dieser Kultband, was letztlich auch dem vorherrschenden Trend entspricht. |
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