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„Whether caressing a slow air or burning up the reels, he conjures up from the pipes an infinite range of colour, mood and expression.“
Tony Rose (The Guardian)
Wie kein anderer weitete Meisterpiper Davy Spillane die technischen u. stilistischen Grenzen des irischen Dudelsackes aus, indem er bewies, was für ein unbändiges Jazzinstrument dieser sein konnte. Hatten die legendären Erneuerer der irischen „Zigeunertradition“, Finbar Furey u. Paddy Keenan, bereits in den 70er Jahren die jazzigen, expressiven Qualitäten dieses Instrumentes so strapaziert, dass ihr Spiel gerade noch innerhalb der Grenzen traditioneller Musik blieb, so fuhr Spillane dort fort, wo Letztgenannte aufhörten u. übersprang mit seinem zuweilen funkigen u. jazzigen Spiel diese Grenzen, ohne den Kontakt zur Tradition zu verlieren (Crossover-Uilleann-Pipes, wie er es selbst nennt). Zudem war er einer der Promotoren der Low-Whistle (siehe Tin-Wistle & Low-Whistle). Davy Spillane wurde 1964 in Dublin geboren u. stürzte sich mit 13 über die Uilleann Pipes, in einem Alter also, als andere den Rock’n Roll für sich entdeckten. Sein Vater war gleichermaßen ein Fan von Jazz u. traditioneller Musik. Aufgestachelt von der Ignoranz Gleichaltriger versuchte er, der in traditioneller Musik u. vor allem bei den Uilleann Pipes den gleichen Drive u. Soul wahrnahm wie andere im Rock, diese Potenzen hörbar auszuweiten u. avancierte in der Folge zum größten Innovator auf seinem Instrument. Hierfür ging er zunächst bei Finbar Furey in die Lehre, der ihn mit den Möglichkeiten des Legatospiels der Zigeunertradition vertraut machte. Mit 15 spielte er im Film Traveller die Rolle eines Dudelsack spielenden Tinkerjungen. Mit 17 kam die große Chance in Gestalt des allgegenwärtigen Chefinnovators des irischen Folk, Dónal Lunny, der soeben sein waghalsiges New Wave/Funk/Folk/Jazz-Projekt Moving Hearts auf die Beine gestellt hatte. Im jungen Spillane fand dieser genau jene jugendliche Energie u. Experimentierfreude, die er für diese Gruppe benötigte. Davy wurde den Erwartungen gerecht u. trug mit seinem modernen Piping nicht wenig zur Brillanz dieser Band bei. Dessen Crossover-Konzept behielt er auch bei, als die Moving Hearts 1986 auseinanderfielen: wilder Drive u. lyrische Sequenzen, die an Carlos Santanas E-Gitarren-Elegien erinnerten, unterbrochen von langgezogenen Low-Whistle-Rhapsodien. So steuerte er mit Atlantic Bridge (1987) u. Shadow Hunter (1990) der modernen irischen Folkmusik zwei ihrer besten Alben bei. Für erstere konnte er Vertreter des amerikanischen „Newgrass“ gewinnen, „Mr.Dobro“ Jerry Douglas, Albert Lee u. Banjo-Innovator Bèla Fleck. Weiters mit von der Partie waren Moving-Hearts-Kollegen Eoghain O’Neill (b, g), Noel Eccles (perc) u. Christy Moore (bodhrán), sowie Scullion-Gitarrist Greg Boland. Auf Shadow Hunter spielte er mit einer Formation, die ihm als reguläre Band die nächsten Jahre begleiten sollte: Tony Molloy (b), Anthony Drennan (e-g,g,dobro), Paul Moran (dr, congas, perc), James Delaney (keyb). Weitere Gäste waren Christy Moore, Akkordeon-Maestro Mairtín O’Connor, Fiddler Kevin Glackin (de Bruder von Paddy Glackin) u. Sänger Seán Tyrrell. Es folgten die Alben Pipedreams u. Out In The Air. 1992 lud ihn Andy Irvine ein, auf dessen ambitioniertem Konzeptalbum East Wind mitzuwirken: verjazzte Lieder u. Tunes aus Mazedonien u. Bulgarien (siehe auch Die Balkan-Connection). 1993 nahm ihn Sony unter Vertrag. Spillane ist einer der wenigen kommerziell erfolgreichen „Superstars“, die dieser Szene entwuchsen, neben Liam O’Flynn ist er der wohl meistgefragte Uilleann Piper für Soundtracks (z. B. Titanic). Sein kontemporärer Pipe-Sound ist auf den Tonträgern von Mary Black, Ch. Moore, Paul Brady, Oisín, Emmylou Harris, Gerry Rafferty, Kate Bush, Van Morrison, Elvis Costello, Sinéad O’Connor, Enya, Chris Rea, Mark Knopfler u. v. a. zu hören. Er war Mitglied von Bill Whelans Riverdance-Orchestra. Obwohl Spillane seit über zehn Jahren ankündigte, vermehrt zu den traditionellen Pipestilen der 20er u. 30er Jahre zurückkehren zu wollen, schien er sich in seinen Werken aus den 90er Jahren in esoterische Klanggemälde verirrt zu haben, aus denen manche nicht mehr als seichte keltoide Supermarktsberieselung heraushören wollten. Den angekündigten puristischen Ansatz verwirklichte er erst 2001 mit der mit seinem bevorzugten Duopartner Kevin Glackin aufgenommenen CD Forgotten Days.. |
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