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„They represented a rough eighties version of a strain of Irish folk music that was dirty, violent and steeped in hard-drinking culture of Ireland’s working classes. They alsp appealed to Ireland’s expatriate class, those who downthrough the generations believed that the streets of foreign countries were paved with gold and all too often found themselves in worse circumstances abroad, and lost themselves in sentimental alcoholic reveries. But most importantly they resuscitated the career of one of Ireland’s greatest folk innovators, Terry Woods.“
Mark J. Prendergast (Isle of Noises)
Die Londoner Erfinder des Folk-Punk können schwerlich mit Kriterien musikalischer Qualität gemessen werden, dafür fanden sie in ihrem Leadsänger Shane MacGowan einen trunkenen Poeten von Format u. kreierten ein einzigartiges Konzept, das trotzigen Punk u. seine Undergroundklischees mit den Klischees keltischer Irishness kombinierte, sowohl musikalisch als auch imagemäßig. Bereits die Dexy’s Midnight Runners hatten bei ihrem Soul-Rock - durchaus ironisch - das idealisierte Bild einer herumlungernden sehnsüchtigen irischen Arbeiterjugend konstruiert. Die Pogues brachten es bei ihren Zitaten irischen Folks aufgrund mangelnder instrumentaler Fähigkeiten u. ihrer Punk-Sozialisation in ihrer Anfangsphase selten weiter als zu gefälligem Polka-Punk, spielten diesen aber mit destruktiver Wut. Ihre Arrangements wurden immer einfallsreicher, mit Anklängen an jene flutende irische Musik, die dem Humtata-Klischee so entgegengesetzt ist, aber auch an Jazz, mexikanische, spanische u. asiatische Musik. Die Undergroundpoesie MacGowans u. zunehmend auch der anderen Bandmitglieder kultivierte ein heruntergekommenes, bisexuelles Rattenimage mit großer Imaginationskraft, ständig durchsetzt von Anspielungen an irische Mythen. Des Weiteren gaben sie sich als proletarische Verehrer von James Joyce u. Federico Garcia Lorca. Hervor gingen die Pogues, die sich ursprünglich Pogue Mahones (eine Anglisierung des gälischen Pogue mo thóin, was soviel wie „Küsse meinen Arsch“ bedeutet, ein Name, den ihnen die öffentlichen Radiosender nicht durchgehen ließen) aus der Londoner Punk-Band The Nipple Erectors („The Nips“). Deren Mitglieder Shane MacGowan aus Tipperary u. Akkordeonist James Fearnley taten sich mit den Londonern Jem Finer (bj, mandolin) u. Peter ‘Spider’ Stacey (t-wh) sowie Drummer Andrew Ranken zusammen. Hinzu kam noch die irischstämmige E-Bassistin u. Sängerin Cáit „Rocky“ O’Riordán. Ihre erste Platte hieß Red Roses For Me u. enthielt eine ausgewogene Mischung aus traditionellen Liedern u. eigenen Songs sowie das obligatorische Auld Triangle aus der Feder von MacGowans „brother in mind“ Brendan Behan (1923-1963). Elvis Costello, ein Fan der ersten Stunde, produzierte 1985 ihr zweites Album Rum, Sodomy & The Lash, mit der Singleauskoppelung A Pair of Brown Eyes u. MacGowans düsterem Song über männliche Prostitution The Old Main Drag u. dem Ewan MacColl-Klassiker Dirty Old Town, dem Tommy Keane den sehnsüchtig-jaulenden Klang seiner Uilleann Pipes beisteuerte. In der Zwischenzeit war Punk-Veteran Philip Chevron (g, voc, mandolin), der bei den Radiators from Space gespielt hatte, eingestiegen. Beim Cibéal Arts Festival in Kenmare, Irland, trafen sie auf Sweeney’s Men- u. Steeleye-Span-Mitbegründer Terry Woods, der sich aus der Musik weitgehend zurückgezogen hatte. Mit seinem Einstieg bei den Pogues hob sich das musikalische Niveau der Band augenblicklich. Auf Mandola, Cittern, Tenor-Banjo, Concertina, Dulcimer u. Gitarre u. mit seiner unvergleichlich souligen Stimme wurde er die Graue Eminenz der Pogues, die mittlerweile Cáit O`Riordán an Elvis Costello verloren u. Bassisten Darryl Hunt an ihrer statt verpflichtet hatten. If I Should Fall From Grace With God wartete mit einer fulminanten Brass-Section u. Ron Kavana als Gastmusiker auf. Das darin enthaltene Duett zwischen MacGowan u. Ewan-MacColl-Tochter Kirsty MacColl (1959-2001), Fairytale of New York,landete auf Platz 2 der UK-Charts. Im selben Jahr spielten sie gemeinsam mit den unermüdlichen Folk-Rebellen der 60er Jahre, den Dubliners, die Single The Irish Rover ein. Diese Zusammenarbeit wertete beide Bands auf: die reifer gewordenen Folk-Punks als auch die Dubliner Folk-Veteranen, die dabei ihre Zeitlosigkeit u. Vitalität demonstrieren konnten. MacGowans chronischer Alkoholismus führte 1989 am Londoner Heathrow-Flughafen zum physischen Zusammenbruch; die gemeinsame Tournee mit Bob Dylan musste die Band ohne ihren schwerkranken Leader durchführen. Auf Love & Hate finden sich vermehrt Songs anderer Mitglieder. September 1991, nach der Einspielung von Hell’s Ditch stieg MacGowan aus, um seine Popes zu gründen. Seinen Part übernahm Punk-Legende Joe Strummer, Ex-Sänger der Clash. Der hielt sich nur ein halbes Jahr u. die Leaderhip der Pogues hat bis heute Spider Tracy inne. Nachdem die Folk-Punk-Welle als historisch interessante Attitüde verebbt war, mauserten sich die Pogues - nicht zuletzt unter Einfluss Terry Woods’ - in den 90er Jahren zu einer passablen Acoustic/Roots/Rockband, die ein seriöses Wissen um irische, englische, kontinentale Musikstile (Jem Finer begann Drehleier zu lernen) an den Tag legte, u. wussten diese mit einer deftigen Portion Cajun zu würzen. Eine kurze Zeit auch Zusammenarbeit mit dem kanadischen Gitarristen/Produzenten Michael Brook. Mitte der 90er Jahre zogen sich schließlich auch Terry Woods, Phil Chevron u. James Fearnly von den Pogues zurück u. wurden durch Jamie Clarke, Dave Coulter u. James McNally ersetzt. Letzterer ist als Mitglied des Afro Celt Sound System in der Welt der Celtic-Fusion kein Unbekannter. Mit ihrem exzentrischen Stil haben die Pogues nicht nur Pop-&-Rock-Geschichte geschrieben, sondern auch vielen musikalisch Suchenden die Tore geöffnet zur bunten Welt des Folk, des Rhythm & Reel, der britisch-irischen Roots Music.
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