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„Coleman’s fiddle playing expressed a range of emotion far beyond the normal requirements of tunefulness and rhythm associated with Irish dance music. The depth of feeling in his music and in particular the air of pathos and poignant sadness which underlies many of his recorded performances, is unique and sets apart his music from his contemporaries and those who imitate his playing.“
Harry Bradshaw
„The older musicians in Michael’s neighbourhood impressed on his young mind the importance of the spell of melody in the rhythms of traditional music, but that unmistakable tone, coming as it seemed from the heart, was his very own. He listened to those great players and then recreated this music in an inimitable way for himself and for generations yet unborn.“
Dick O’Beirne
„All the sadness of my life is translated into music.“
Michael Coleman
Michael Coleman, der für die irische traditionelle Musik bedeutendste Musiker des 20. Jahrhunderts, kreierte einen individuellen Fiddlestil, der die Charakteristika und den inhärenten Swing der Musik seiner Herkunftsregion Sligo (siehe Der Sligo-Stil) ins Extrem trieb. Colemans urbane und elegante Interpretation irischer Reels und Hornpipes leiteten eine stilistische Standardisierung ein, der regionale Stile über Jahrzehnte hinweg zum Opfer fielen. Michael Coleman wurde am 31. Januar 1891 in Banada im Bezirk Killavil, südliches County Sligo, als Sohn von James und Beesy Coleman geboren. Sein Vater war Farmer und Hersteller von Kalkprodukten, zudem ein begnadeter Fiddler. Auch seine vier Brüder griffen zur Fiddle und Colemans Angaben zufolge soll sein Bruder Jim der bessere Geiger gewesen sein. Der Haushalt Coleman’s Cross war beliebter Treffpunkt der bedeutendsten Musiker der Region, allesamt Protagonisten des distinkten Sligo-Stils, dem Michael dereinst sein höchstes künstlerisches Niveau bescheren würde. Martin und Richard Brennan, der Piper John Gorman aus Roscommon, der wandernde Fiddler Kipeen Scanlon, Michaels erster Lehrer Phillip O’Beirne (der Vater des berühmten Lad O’Beirne) oder Tom Gannon, mit dem er in New York den Prohibition Reel einspielen würde, alle hinterließen sie ihre Spuren im sich entwickelnden Stil des jungen Fiddlers, der zugleich ein exzellenter Steptänzer war und bei diesbezüglichen Wettbewerben mehrere Preise mit nach Hause trug. Nach einem kurzen Aufenthalt in England emigrierte Michael Coleman 1914 nach New York, wo sich ihm genug Möglichkeiten boten, seine Leidenschaft zur Profession zu machen. Er schloss sich einer Vaudeville-Show an, mit der er die großen Städte der USA bereiste und viele Kontakte in der Irish Community knüpfte. Colemans Ruhm stieg und fiel indes mit der Popularität ethnischer Plattenaufnahmen und einer ausgeprägten Dance-Hall-Szene in den 20er und 30er Jahren. Große Labels wie Decca bedienten die Einwanderer-Communitys mit Musik ihrer Herkunftsländer und -regionen, was einen Nährboden für stilistische Innovation bereitstellte. Mit dem Siegeszug des Big-Band-Swing wurde die ethnische Musik in folkloristische Zirkel zurückgedrängt, ein Umstand, unter dem Coleman die letzten Jahre seines Lebens zu leiden hatte. Die technologische Neuerung der Schellack jedenfalls ermöglichte es, dass Colemans Aufnahmen in abertausenden amerikanischen und noch zu seinen Lebzeiten auch in irischen Haushalten zum selbstverständlichen Inventar gehörten und für junge Geiger künstlerische Maßstäbe setzten. Das Repertoire mehrerer Musikergenerationen wurde von Coleman vorgegeben: Ihm verdankt sich die Dominanz des Reels gegenüber den bis dato gleichberechtigten Jigs, Hornpipes, Polkas, Barndances etc., sowie die beispielgebende Rezeption schottischer Reels (welche durch Saisonmigranten schon vor ihm in Sligo und Donegal verbreitet waren). Und selbst Jahrzehnte nach seinem Tod hörte man selten Reels wie Bonny Kate nicht in der Gesellschaft von Jenny’s Chickens, oder Tarbolton ohne die darauffolgenden Reels The Longford Collector und The Sailor’s Bonnet, so obligatorisch wurden seine Settings. Wie kein anderer zuvor gelang es Coleman in seinem Geigenspiel die fröhlichen und traurigen Nuancen der traditionellen Tanzmelodien zu betonen (nicht unähnlich seinem jüdischen Zeitgenossen, dem New Yorker Klezmerklarinettisten Naftule Brandwein). Colemans viel bestaunter Stil war gekennzeichnet durch ein besonders flüssiges Legatospiel unter exzessiver Verwendung von Verzierungen wie dem Roll (siehe Charakteristische Ornamente der traditionellen Instrumentalmusik) gewürzt mit im Sligo-Stil unüblichen, durch kräftige Bogenstriche vollführten Staccato-Triplets. Zu vermessen wäre es anzunehmen, in Colemas Stil schlügen sich Einflüsse des damaligen Jazz nieder, denn er verließ die Form der traditionellen Musik nie, sondern reizte bloß ihre Nuancen aus und verzierte sie manchmal mit klassischen Techniken, dennoch hatte er irischer Musik - möglicherweise in positiver Konkurrenz zu den modischen Jazztanzbands - mehr Tempo, Virtuosität, Eleganz, Flüssigkeit und Swing verliehen, als dies bis dato in traditioneller Musik üblich war, sein souveränes und cooles Geigenspiel schien dem hektischen wie hedonistischen Lebensstils New Yorks trotz ethnischem Beigeschmack angemessen. Zeitzeugen charakterisierten Coleman zugleich als schwierigen Charakter und als „smart guy“. Die angebliche Antipathie zwischen ihm und dem zweiten bedeutenden New Yorker Vertreter des Sligo-Stils, James Morrison (1893-1947), beruhte nach Ansicht seiner engsten Vertrauten und Schüler auf Gerüchten. Vielmehr schätzten sie einander und fanden sich immer wieder zu gemeinsamen Sessions, auch wenn sie am Musikmarkt konkurrierten. Sein Schüler Hugh Gillespie berichtet auch von einer Session mit Fritz Kreisler, dem damals berühmtesten klassischen Geiger. Michael Coleman starb am 4. Januar 1945 im Knickerbocker-Spital in Manhattan. Coleman hatte der irischen traditionellen Musik einen gewaltigen Innovationsschub verpasst, der sich besonders auf die Fiddler des Folk-Revivals auswirken sollte. In New York bleibt Colemans Einfluss im Spiel seiner Schüler John Vesey und Andy McGann lebendig. |
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