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    Musik aus Wales - Welsh Traditional Music & Folk-Revival  
  Genres und Sonderinformationen  
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  Quelle: Crossroots, ISBN 3-935943-00-8 (Verlag C.Ludwig, 2002)  
    Autor: Richard Schuberth  
 

„Welsh people are naturally outward-looking and Welsh musicians have historically kept abreast of universal musical trends. Paradoxically, though, Welsh traditional music is a repository of many musical gems, which until recently have not only been a well-kept secret to the outside world, but have also been ignored within the country, especially by its own media.“

Ceri Rhys Matthews (Fernhill)

Erst relativ spät trat Wales mit seiner nach wie vor vitalen keltischen Sprachkultur in den Fokus des modernen Folk. Das rührt in erster Linie davon her, dass im 19. Jahrhundert die nationale bürgerliche Romantik die walisische Musikkultur für sich ursupiert hatte u. andere „authentischere“ Traditionen zu überlagern begann. Somit haftete ihr, welche hauptsächlich mit Harfenmusik u. Hymnengesang bei den nationalistischen Eisteddfoddau assoziiert wurde, etwas eher Manieriertes u. Altmodisches an, was sich zunächst schwer mit den ästhetischen Vorgaben des Folk-Revivals verbinden ließ. Besonders von den „keltischen“ Szenen Irlands, Schottlands u. später auch der Bretagne war man durch anspruchsvolle, wilde u. melodieschöne Instrumentalmusik u. Songinterpretationen verwöhnt. Jedenfalls passte das, was man von walisischer Musik wusste, nicht so recht ins gewohnte Schema. Das walisische Folk-Revival holte jedoch auf u. trat den Beweis an, dass traditionelle walisische Musik, so man nur die richtigen Tunes u. den richtigen Ton fand, ihren keltischen Cousinen in nichts nachsteht. Es bedurfte zunächst des Ausgrabens älterer Manuskripte u. Traditionen sowie des Kontaktes mit Überlebenden der beinahe ausgestorbenen Volkstradition, um die bürgerlich-nationale Lesart zu umgehen. Ein weiterer Innovationsschub setzte in den 80er Jahren ein u. verschmolz diese Musik auch mit außerwalisischen (z.B. bretonischen) u. modernen Elementen (Jazz, Rock).

Die traditionellen Wurzeln. Nachdem im 18. Jahrhundert das Kornische in Cornwall ausstarb, stellt das Walisische das letzte linguistische Refugium des britischen Keltisch dar. Das schottische Gälisch nämlich ist ein Import von den Iren (Skoten), welche ein älteres keltisches Idiom sprachen als die historischen Briten. Zur Zeit der angelsächsischen Invasion (ca. 500 n.u.Z.) wurde Britisch respektive Altwalisisch von Cornwall bis weit nach Schottland hinein gesprochen. Und die walisischen Heldenepen um Aneirin u. Taliesin haben ihren historischen Platz im Reich Gododdin, dass sich von Südschottland bis Nordengland erstreckte. Wales stellt lediglich das gebirgige u. widerständige Rückzugsgebiet dieser Kultur dar. Als im Gefolge der normannischen Eroberung Englands durch William the Conqueror 1066 auch bretonische Ritter nach Wales vordrangen, sollen diese noch problemlos mit ihren walisischen Kollegen kommuniziert haben. Diese bretonischen Ritter waren schließlich Nachkommen von kornischen Migranten, die im 5. Jahrhundert den westlichsten Teil des französischen Festlandes besiedelt hatten.

Die musikalische Volkskultur von Wales hat in den letzten zwanzig Jahren einen beträchtlichen Aufwind erfahren u. allmählich erst begonnen, sich den neuen Impulsen aus dem Folk zu öffnen. Vergeichbar dem Fleadh Cheoil der irischen Organisation Comhaltas Ceoltóirí Éireann (siehe Irish Traditional Music & Irish Folk-Revival) oder dem schottischen National Mod ( siehe Scottish Traditional Music & Scottish Folk-Revival) finden volksmusikalische Wettbewerbe in Wales im Rahmen des so genannten Eisteddfod statt, eine Institution, die vom Hochmittelalter bis ins 17. Jahrhundert Kern der kulturellen Identität der Waliser bedeutete u. 1860 von der National Eisteddfod Society revitalisiert wurde. Bereits beim ersten Eisteddfod 1176 in Cardican wurden musikalische Wettbewerbe zwischen Musikern u. Sängern abgehalten. Diese waren kodifizierten Reglements unterworfen. Der berühmte reisende Chronist des 12. Jahrhunderts, Giraldus Cambrensis (Gerald the Welshman), gibt uns Zeugnis vom hohen spielerischen Niveau der walisischen Musik u. einem mehrstimmigen Gesang, wie er in England zu seiner Zeit unbekannt war. Als Instrumente dokumentiert er Cithara (Harfe), Tibia u. Chorus (Crwth), eine archaische Kniegeige. Ob er mit Tibia tatsächlich Dudelsäcke oder aber die walisische Hornpipe (Pipcorn) meinte, wissen wir nicht, wohl aber, dass das Spiel des Dudelsackes (Pipacwd) in Wales ein frühes Zentrum fand u. in abgelegenen Regionen wie Bannau Brycheiniog von Meisterpipern wie Even Gethin u. Edward Gewrn y Pepydd bis ins späte 19. Jahrhundert gepflogen wurde. Letzter walisischer Piper war Reverend Meredith Morris, der 1921 verstarb. Ikonographische Zeugnisse belegen für Mittelalter u. Neuzeit verschiedene Dudelsacktypen, wie sie im umliegenden England, ja im westlichen Europa gebräuchlich waren. Lediglich ein Typus mit zwei parallelen Spielpfeifen scheint eine walisische Spezialität gewesen sein. Dieser Typus, aber auch andere werden von Ceri Rhys Matthews u. Jonathan Shorland (Fernhill) aus Cardiff rekonstruiert. Zum empfindlichen Schlag gegen die wilde sinnliche Dudelsackmusik im Speziellen, gegen die alte walisische Musik im Allgemeinen holte (wie im benachbarten England) ab Ende des 18. Jahrhunderts die reformistische Methodistenbewegung aus. Auch das Spiel der Crwth ist bis ins 18. Jahrhundert belegt u. wurde durch die Ausbreitung der Violine bzw. Fiddle verdrängt. Die Crwth, welche in Cornwall Crowde u. in Italien Rotta hieß u. eine primitivere Form der mittelalterlichen Rebec darstellt, war im Mittelalter in einer dreisaitigen (crwth trithant) u. einer sechsaitigen Variante (crwth chwethant) gebräuchlich. Sie wird heute von Robert Evans aus Cardiff rekonstruiert u. gespielt, zu hören auf seiner CD Ffidil.

Wales ist die einzige keltische Region, die seit dem Mittelalter auf eine ungebrochene Harfentradition zurückblicken kann. Der walisische Barde/Harfenist besaß einen besonders hohen sozialen Status u. seine Instrumentalkunst dürfte eine besonders komplexe gewesen sein, jedenfalls weist Robert ap Huws berühmte Sammlung notierter Harfenmelodien aus dem Jahre 1613 auf eigenartige u. anspruchsvolle Kompositionen hin, die - ähnlich der verwandten iroschottischen Traditionen - ihren Nachhall, aber auch ihre Verflachung später in der Muse des Volkes fanden. Henry VIII. holte mit seinem Act of Union 1536 zu einem empfindlichen Schlag gegen die walisisch-keltische Kultur aus, doch da sich ihre politischen Repräsentanten schneller mit der englischen Krone arrangieren konnten als ihre irischen u. schottischen Zeitgenossen, konnte sie noch einige Jahrhunderte in erstaunlicher Kraft gedeihen u. erodierte auf relativ friedliche Weise. Bis ins 18. Jahrhundert waren diatonische Harfentypen in Gebrauch, die sehr der iroschottischen Clarsach ähnelten. Traditionellerweise wurden sie gegen die linke Schulter gestemmt, die linke Hand spielte die Melodievariationen in den höheren Registern u. repetitive Ostinatobegleitung mit der rechten. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts fasste aus Italien ein moderner Harfentyp in Wales Fuß, der bis heute die weitest entwickelte Volksharfe der Britischen Inseln darstellt, die sogenannte Triple Harp: Eine chromatische Harfe, mit der sich alle Noten jeder Tonart spielen lassen. Sie besitzt drei Saitenreihen, wobei die Saiten der äußeren diatonisch gestimmt sind, die der inneren die zusätzlichen Halbtöne liefern. Im Zuge der bürgerlichen Romantik u. Kelten-Renaissance des 19. Jahrhunderts wurde die große Konzertharfe für die gepflegte Nachempfindung walisischer Musik verwendet u. konkurrierte nach wie vor mit der kleineren Triple-Harp, welche in der Volkstradition überdauerte u. ihre größten Meister in den walisischen Zigeunern fand.

Vergleichbar ihrem irischen Zeitgenossen Blind Turlough O’Carolan (1670-1738) lebten im 18. Jahrhundert walisische Harfenisten, welche die alte Barden- u. Volkstradition mit barocker Phrasierung u. Tonalität verbanden u. in London im Rahmen der ersten bürgerlichen walisischen Kulturvereine (Cymmrodorian u. Gwyneddigion) aktiv waren, die der ersten Welle der Keltenromantik vorausgingen. Es waren dies vor allem Blind John Parry (ca. 1710-1782), Edward Jones (1752-1824), genannt Bardd y Brenin (Barde des Königs) u. John Parry (1776-1851). Sie waren auch als Herausgeber tätig: Nannte Blind John Parry die von ihm publizierte Tunesammlung im Jahre 1742 noch Antient British Music, so hieß die von seinem Namensvetter eine Generation später (1784) herausgegebene Kollektion Musical and Poetical Relicks of the Welsh Bards, was bereits den Einfluss eines walisischen Nationalismus u. der seit James MacPhersons Ossianischen Elegien grassierenden Keltenromantik indiziert. Harfenstile differenzierten sich infolgedessen u. standen in unterschiedlichem Verhältnis zur alten Tradition. Als herausragender Individualist bestach der Harfenspieler John Thomas (1826-1913), genannt Pencerdd Gwalci, im Stile der großen bürgerlichen Solovirtuosen seiner Zeit, mit technischer Finesse u. komplizierten Arrangements. Zur gleichen Zeit lebte der Zigeuner John Roberts aus Newton, Mid-Wales. Er hatte alle seine neun Söhne Harfe, Fiddle u. Flöte gelehrt u. trat mit ihnen als The Origian Cambrian Minstrels auf. Einer der letzten großen Interpretinnen auf der Triple Harp war Nansi Richard Jones (1888-1979). Durch ihre Schüler Dafydd u. Gwyndaff Roberts, beide Gründer der Folkband Ar Log, fand diese ungebrochene Tradition Eingang ins Folk-Revival der 70er Jahre.

Eine nicht minder reiche Liedtradition eignet der walisischen Kultur. Wir haben relativ präzise Zeugnisse von den diversen Liedformen der alten walisischen Musik, waren sie doch bei den Eisteddfoddau genauen Definitionen u. Normen unterworfen. Teilweise hielten sich diese in der Tradition, teilweise wurden sie erst in unserem Jahrhundert künstlich revitalisiert. Bardischen Ursprungs sind Cerdd dant (the craft of the string), eine Liedform, bei der Stimme u. Harfe unisono erklingen, weiters Canu penillion, gesungene Verse zur Harfenbegleitung, teilweise improvisiert, jedoch strengen metrischen Regeln unterworfen, u. Cerdd dafodd (the craft of the tongue). Daneben kannte u. kennt die Volkstradition eine Unzahl an Liedern rituellen Inhalts, welche mit lokalem Brauchtum verbunden sind. Liebes- u. Arbeitslieder von Bauern, Fischern, Schafscherern. Mit dem Aufschwung der Kohleindustrie kamen mit irischen u. englischen Arbeitern viele neue musikalische Impulse nach Wales. Der zum Nationalemblem avancierte Chorgesang ist bezeichnenderweise eine relativ rezente Erfindung. Sie geht auf die mehrstimmigen Gesänge der Methodistenbewegung zurück, die seit dem späten 18. Jahrhundert auch in Wales regen Zulauf fand u. aufgrund ihrer puritanischen Verdammung aller Lustbarkeiten vielen walisischen Traditionen, vor allem Dudelsack- u. Geigenspiel, den Garaus machte. Dem Geschmack der bürgerlichen Romantik entsprechend wurde also dieser hymnische Gesang als walisische Besonderheit zurechtdesignt. Bedeutende Hymnuskomponisten wie Williams Williams u. Ann Griffith bedienten sich dabei hauptsächlich außerwalisischer Melodien. Ein weiterer Grund, warum ein Großteil des walisischen Repertoires so sehr von seinen iroschottischen u. bretonischen Verwandten abweicht, die trotz aller strukturellen Unterschiede doch einige markante Gemeinsamkeiten aufweisen, war die kontinuierliche Säuberung der Volkstradition von schrägen, wilden, dem bürgerlichen Geschmack ihrer Zeit zu fremd klingenden Melodien. Einen nicht unbedeutenden Beitrag dazu leistete Nicholas Bennett mit seinem 1896 herausgegebenen Kollektion Alawon Fy Nghwlad. Aber es gab auch noch die andere walisische Musik, man brauchte sie nur zu suchen, hauptsächlich in alten Manuskripten, aber auch in einer in den 60er Jahren lebendigen, unabhängig von den nationalistischen Vereinen gepflogenen Folklore. Eine weltoffene u. junge walisische Folkszene sollte schließlich nach einigen Umwegen u. Startschwierigkeiten das ganz Alte u. etwas völlig Neues zu interessanter neowalisischer Musik verschmelzen. Zur Konstruktion walisischer Volkstradition im 19. Jahrhundert verweise ich auf Prys Morgans luziden Aufsatz From a Death to a View: The Hunt for the Welsh Past in the Romantic Period aus Terence Rangers u. Eric Hobsbawms berühmten Reader The Invention of Tradition.

Welsh Folk-Revival. Folk ist, wie in Rahmen dieses Lexikons schon oft betont wurde, kein homogenes Genre, sondern unter diesem Begriff findet sich die gesamte Spannweite von puristischer Nachempfindung bis zu traditionelle Muster zitierender Kunstmusik. Man sollte nie dem Irrtum unterliegen, bei den Produkten des Folk-Revivals authentische volksmusikalische Formen vorzufinden, bzw. von diesen auf die Gestalt tatsächlicher traditioneller Musik zu schließen. Die Interpretation ist immer auch eine Frage der musikalischen Moden, des Stils, Arrangements u. der Instrumentierung. Und auch in der Genese des walisischen Folk schlugen sich die diversen Entwicklungsstadien des britischen Folk nieder, von jovialem Ballad Folk, irisch beeinflusstem bouzoukigetriebenem Rhythm & Reel u. neuerdings elegantem „englischen“ Bordunjazz, nicht zu vergessen auch der Kurzschluss mit der keltischen Szene der Bretagne. Walisische Musik unterscheidet heutzutage wie etwa die irische Szene nicht zwischen Folk u. Traditional Music. Im Überbegriff Gwerin finden großzügig rein traditionelle Musik, Twmpath (Ceilidh bzw. Barn Dance), Folklore, walisischer Rock u. Folk ihr Auskommen. Angefangen hat alles in den 60er Jahren, u. der wesentliche Stimulus kam zunächst wie sonstwo auch aus Amerika. Dafydd Iwan, einer der Gründerväter des walisischen Folk, übte sich damals zunächst als Singer/Songwriter im Stile Bob Dylans, begann aber bereits traditionelle walisische Songs zu sammeln u. zu singen. Er wurde einer der glühendsten Protagonisten einer distinkt walisischen musikalischen Identität u. schuf mit der Gründung von Sain Records eine bedeutende Plattform für eine wachsende walisische Folkszene. Entstanden ist diese in Cardiff u. orientiert hat sie sich zunächst am Dubliner Balladen-Folk der Clancy Bros u. Dubliners, was auch nicht verwundert, stellten doch Iren - besonders in den Städten - einen nicht zu unterschätzenden Anteil der walisischen Bevölkerung. Maßgeblich waren dabei die irischstämmigen Hennessys, welche ab Ende der 60er Jahre bereits Songs in walisischer Sprache interpretierten u. auch heute noch vor internationalen Auditorien auftreten. Hauptsächlich in Englisch sangen die Brüder Huw & Tony Williams aus Brynmawr im Gwert Valley. Ihr Song Rosemary’s Sister wurde von der englischen Folk-Rock-Band Fairport Convention gecovert. Allmählich hatten auch irische Bands wie Chieftains u. Planxty die Rezeption irischer Instrumentalmusik vorexerziert. Ein wichtiger Stimulus war auch Alan Stivell aus der Bretagne, der problemlos zwischen pankeltischem Folkrock u. elegischer Harfenmusik wechselte u. bereits walisische Lieder sang, bevor walisische Interpreten sich drübertrauten. Nach einer Phase der Imitation irischer Instrumentals begann man sich in den 70er Jahren auch walisische Instrumentaltraditionen anzueignen, wenngleich diese in den umliegenden Szenen als altmodisch, wenn nicht sogar langweilig verpönt waren. Bahnbrechend dabei die Band Ar Log um die Brüder Dafydd u. Gwyndaff Roberts. Sie wagte den Sprung ins kalte Wasser u. kündete in der damaligen Folkwelt erstmals von der Existenz eines eigenständigen walisischen Trad-Folk, in dem das Spiel der Harfe einen wichtigen Stellenwert einnahm. Nach ihrem Vorbild etablierte sich die Gruppe Plethyn, welche sich sowohl neuen Liedern als auch der mittelwalisischen Plygain-Tradition (Weihnachtslieder) widmete. In den 80er Jahren beschleunigte sich die stilistische Weiterentwicklung. Llio Rhyderich aus Bangor u. Robin Huw Bowen propagierten die Triple Harp u. die spezifischen Gypsy-Spielweisen. Seine akademische Strenge hielt Bowen nicht davor zurück, bei der Gruppe Mabsant einzusteigen, die sich in Richtung eines saxophonlastigen Folk-Jazz entwickelte u. mit Siwsann George eine der besten Sängerinnen Wales’ in ihren Reihen hatte. Calennig aus Llantrisant in Glamorgan widmeten sich rockig interpretierten walisischen Tänzen u. englischen Volksliedern mit galicischen u. bretonischen Einsprängseln, Sängerin Heather Jones konzentrierte sich gemeinsam mit GeigerInnen Jane Rideout u. Mike Lease als Hin Deg auf walisische Songs u. irische Fiddlemusik. Sehr fiddlelastig mit innovativen Settings ist auch die Band Kilbride aus Cardiff. Weitere populäre Folkbands dieser Revival-Generation waren und sind 4 Yn Y Bar um den charismatischen Gitarristen Tudur Morgan, die auch mit Bluegrass liebäugelten, Bob Delyn, welche sich auf walisischen u. bretonischen Folk-Rock spezialisierten, und Yr Hwntws. Viel versprechende Revivalband der neueren Generation, also solche, die erst im Laufe der 90er Jahre aus dem Ei krochen, sind Pygyn Clust aus Nordwest-Wales, das Trio Ffynnon, die Bands Crasdant, Gwerinos und Ogam. Tanzensembles wie Cwmi Dawns Werin Canolfan Caerdydd, Dawnswyr Nantgarw, Dawnswyr Gwerin Pen-i-Fai, Ffidl Ffadl u. Dawnswyr Brynmawr pflegen so etwas wie walisischen Neo-Ceilidh. Eine sehr vielseitige Musikerin mit eklektischem Ansatz findet die walisische Roots Music der 90er Jahre in der Harfenistin u. Sängerin Sîan James aus Llanerfyl, die bei so unterschiedlichen Ensembles gastiert wie der Rockband Bwchadanas u. der Londoner Roots-Reggae-Gruppe One Style. Interessanten u. äußerst eleganten Crossover von walisischen Folk, Jazz u. englischer Bordunmusik (à la Blowzabella) präsentierten die mittlerweile aufgelösten Aberjaber u. die nach wie vor existierenden Fernhill um die in Walisisch u. in Bretonisch singende Engländerin Julie Murphy. Fernhill entwickelten sich aus dem Bandprojekt Saith Rhyfeddod, das J. Murphy mit der Bretonin Brigitte Kloarig, dem englischen Drehleiervirtuosen Nigel Eaton u. den walisischen Dudelsackpionieren u. Multiinstrumentalisten Ceri Rhys Matthews u. Jonathan Shorland Anfang der 90er Jahre gründete. Walisische Tunes auf dem Melodeon (Scwîsbocs) interpretiert neuerdings Neil Browning. Walisische Tunes für die Concertina adaptiert John Morgan. Nicht unerwähnt bleiben soll hier auch die äußerst vibrierende u. ideenreiche walisischsprachige Rockszene, die bereits lange vor dem Erfolg der schottisch-gälischen Band Runrig existierte: Walisischsprachige Punk-, Rock- u. Popensembles u. -interpreten wie der einflussreiche Singer/Songwriter Meic Stevens, wie Folk-Rocker Moniars u. Siôn Williams Dom, The Rag Foundation, die Punk-Pioniere Trwynau Coch u. Anhrefn, Techno-Rapper Llwyrbr Llaethog, Avantgarde-Rocker Datblygu, Psychedelic-Rocker Gorky’s Zygotic Mynci oder Catatonia. Bedeutendste Labels für walisischen Folk sind Dafydd Iwans Label Sain u. Fflach:Tradd.